Das Wichtigste in Kürze

  • Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber: Was soll die Software leisten und warum? Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer: Wie wird das umgesetzt?
  • Die Begriffe sind in der Norm DIN 69901-5 definiert.
  • Ein gutes Lastenheft beschreibt Abläufe und Ziele, nicht Bildschirme und Technik – und macht Angebote vergleichbar.
  • Auch in agilen Projekten lohnt sich ein kurzes Lastenheft als gemeinsamer Ausgangspunkt.

Der Unterschied in einem Satz

Das Lastenheft beschreibt das Problem, das Pflichtenheft die Lösung. Nach DIN 69901-5 ist das Lastenheft die „vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers“ (Lexware). Das Pflichtenheft enthält die „vom Auftragnehmer erarbeiteten Realisierungsvorgaben“ zur Umsetzung dieses Lastenhefts (Lexware).

LastenheftPflichtenheft
Wer schreibt es?AuftraggeberAuftragnehmer
FrageWas und wofür?Wie und womit?
InhaltZiele, Abläufe, Anforderungen, Rahmenbedingungentechnische Lösung, Architektur, Umfang, Termine, Abnahmekriterien
Zeitpunktvor der Anfrage bei Anbieternnach Auftrag bzw. in der Konzeptphase

Warum sich ein Lastenheft lohnt

  • Vergleichbare Angebote: Wenn alle Anbieter dieselbe Beschreibung bekommen, können Sie Preise und Lösungen fair vergleichen.
  • Weniger Missverständnisse: Was nicht aufgeschrieben ist, versteht jeder anders.
  • Klarheit im eigenen Haus: Beim Schreiben merken Sie, wo Ihre Abteilungen Unterschiedliches erwarten.
  • Grundlage für die Abnahme: Am Ende lässt sich prüfen, ob geliefert wurde, was gefordert war.

Vorlage: Lastenheft für ein Software- oder App-Projekt

Diese Gliederung hat sich für kleine und mittlere Projekte bewährt. Nicht jeder Punkt braucht viele Seiten – oft reichen wenige Sätze.

  1. Ausgangslage: Wer sind Sie, wie läuft der Ablauf heute, was ist das Problem? Zahlen helfen: „rund 300 Aufträge im Monat, jeder wird dreimal abgetippt“.
  2. Ziele: Was soll nach dem Projekt besser sein? Möglichst messbar – etwa „Angebot in 10 statt 45 Minuten“.
  3. Nutzerinnen und Nutzer: Wer arbeitet mit der Software – Büro, Außendienst, Kunden? Am Computer, am Handy, offline?
  4. Abläufe: die wichtigsten Arbeitsschritte von Anfang bis Ende, am besten als nummerierte Schritte oder kurze Geschichten („Als Monteur möchte ich …, damit …“).
  5. Funktionale Anforderungen: Was muss die Software können? Mit Priorität: muss, soll, kann.
  6. Nicht-funktionale Anforderungen: Anzahl der Nutzer, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Sprachen, Barrierefreiheit, Datenschutz.
  7. Schnittstellen: Welche Systeme müssen angebunden werden – Buchhaltung, Shop, CRM, E-Rechnung, E-Mail?
  8. Daten: Welche Daten gibt es schon, wo liegen sie, müssen sie übernommen werden? Etwa aus Excel-Listen.
  9. Rahmenbedingungen: Budgetrahmen, gewünschter Termin, Betrieb (Cloud oder eigene Server), rechtliche Vorgaben.
  10. Lieferumfang und Abnahme: Was gehört zur Lieferung (Schulung, Dokumentation, Wartung)? Woran erkennen Sie, dass das Projekt fertig ist?
  11. Ansprechpartner und Glossar: wer entscheidet, wer fachlich Auskunft gibt, und was firmeninterne Begriffe bedeuten.

Was ins Pflichtenheft gehört

Der Auftragnehmer antwortet mit dem Pflichtenheft – oder bei kleineren Projekten mit einem ausführlichen Angebot samt Konzept. Es sollte enthalten:

  • wie jede Anforderung aus dem Lastenheft umgesetzt wird – und welche ausdrücklich nicht
  • Aufbau der Lösung: Anwendungen, Datenhaltung, Schnittstellen, Betrieb
  • Projektplan mit Meilensteinen und Terminen
  • Preis und was er umfasst
  • Abnahmekriterien und Vorgehen bei Änderungswünschen

Lassen Sie das Pflichtenheft vor Beginn der Umsetzung schriftlich bestätigen; Änderungen sollten ebenfalls schriftlich festgehalten werden (Lexware).

Und in agilen Projekten?

In agilen Projekten wird nicht alles vorab bis ins Detail festgelegt, sondern in kurzen Schritten entwickelt und laufend nachgeschärft. Ein kurzes Lastenheft mit Ausgangslage, Zielen, Nutzern, wichtigsten Abläufen und Rahmenbedingungen ist trotzdem sinnvoll: Es gibt allen denselben Startpunkt und macht Angebote vergleichbar. Die Details entstehen dann gemeinsam, Schritt für Schritt.

Typische Fehler

  • Zu vage: „Die Software soll benutzerfreundlich sein“ lässt sich nicht prüfen.
  • Zu technisch: Lösungen vorgeben statt Probleme beschreiben.
  • Alles ist Muss: Ohne Prioritäten wird das Projekt teuer und spät.
  • Mengen fehlen: Ob 10 oder 10.000 Datensätze am Tag, ändert die Lösung und den Preis.
  • Keine Nutzer gefragt: Wer täglich mit dem Ablauf arbeitet, kennt die Sonderfälle.

Häufige Fragen

Wer schreibt das Lastenheft und wer das Pflichtenheft?

Das Lastenheft schreibt der Auftraggeber, also das Unternehmen, das eine Software braucht. Das Pflichtenheft schreibt der Auftragnehmer, der die Software entwickelt.

Wie lang muss ein Lastenheft sein?

So lang wie nötig, so kurz wie möglich. Für kleine Projekte reichen oft wenige Seiten, wenn Ausgangslage, Ziele, Abläufe, Anforderungen mit Priorität und Rahmenbedingungen klar beschrieben sind.

Brauche ich ein Lastenheft, um ein Angebot einzuholen?

Nicht zwingend – viele Anbieter helfen im Gespräch, die Anforderungen zu klären. Mit Lastenheft werden Angebote aber deutlich besser vergleichbar.

Quellen

  1. Lexware: Lastenheft – Definition, Inhalt und Aufbau
  2. Lexware: Pflichtenheft – Definition, Inhalt und Aufbau

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